Brauche ich wirklich ERP, Shop und Frontend?

…oder stammt diese Architektur noch aus einer Zeit, in der Systeme nicht miteinander sprechen konnten?

Beim E-Commerce BBQ unseres Partners ScaleCommerce hat Geschäftsführer Thomas „Lola“ Lohner eine spannende These aufgestellt, die uns beschäftigt hat.

Viele E-Commerce-Landschaften bestehen heute aus einem ERP, einem Shopsystem und einer separaten Website. Das führt zu mehrfach gepflegten Daten, komplexen Schnittstellen und hohen Betriebskosten. Moderne Plattformen ermöglichen inzwischen deutlich schlankere Architekturen – ohne auf Flexibilität oder Performance zu verzichten.

Die klassische E-Commerce-Architektur ist historisch gewachsen

Vor zehn oder fünfzehn Jahren war die Rollenverteilung klar: Das ERP verwaltete Artikel, Preise, Kunden und Aufträge. Das Shopsystem kümmerte sich um Produktdarstellung, Warenkorb und Checkout. Für Marketing, Landingpages und Content kam häufig noch ein CMS hinzu.

Das war damals sinnvoll. Die Systeme hatten unterschiedliche Aufgaben und konnten nur begrenzt miteinander kommunizieren. Also wurden Daten synchronisiert, Schnittstellen gebaut und Informationen mehrfach vorgehalten.

Mit jeder zusätzlichen Integration stieg jedoch auch die Komplexität.

„Viele Unternehmen betreiben heute drei oder vier Systeme, die letztlich dieselben Informationen verwalten – nur mit unterschiedlichen Zuständigkeiten.“

Die eigentlichen Kosten entstehen zwischen den Systemen

In vielen Projekten ist heute nicht das ERP das Problem. Auch nicht das Shopsystem. Sondern die Verbindungen dazwischen.

Produkte werden aus dem ERP in den Shop übertragen. Preise werden synchronisiert. Lagerbestände aktualisiert. Kundendaten abgeglichen. Inhalte werden im CMS gepflegt, Produkttexte zusätzlich im Shop.

Das funktioniert – solange alle Schnittstellen fehlerfrei arbeiten.

In der Praxis entstehen jedoch genau hier Wartungsaufwand, Fehlerquellen und Projektkosten. Jede Erweiterung muss an mehreren Stellen berücksichtigt werden. Jede neue Funktion zieht Anpassungen in mehreren Systemen nach sich.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr: Welches Shopsystem ist das beste?

Sondern:

Wie viele Systeme brauchen wir überhaupt noch?

Moderne Plattformen verschieben die Grenzen

Die gute Nachricht: Die Architektur von E-Commerce-Systemen hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.

Shopware entwickelt sich zunehmend zu einer leistungsfähigen Commerce-Plattform mit umfangreichen APIs. Shopify versteht sich längst nicht mehr nur als Onlineshop, sondern als Commerce-Backend für unterschiedlichste Vertriebskanäle.

Gleichzeitig werden ERP-Systeme immer leistungsfähiger. Viele bringen heute Produktkataloge, Kundenportale oder sogar komplette Commerce-Funktionen bereits mit.

Damit entstehen neue Möglichkeiten.

Vielleicht reicht ein ERP mit einem individuell entwickelten Frontend.

Vielleicht übernimmt Shopware als Commerce-Engine sämtliche Shop-Funktionen, während ein modernes React- oder Next.js-Frontend für optimale Benutzererlebnisse sorgt.

Oder ein klassisches Shopsystem bleibt weiterhin die richtige Wahl.

„Headless ist kein Selbstzweck. Gute Architektur bedeutet nicht, möglichst viele moderne Begriffe einzusetzen – sondern möglichst wenige unnötige Systeme zu betreiben.“

Es gibt keine Standardlösung – aber fast immer Optimierungspotenzial

Jedes Unternehmen hat andere Anforderungen.

Ein internationaler B2C-Shop stellt andere Ansprüche als ein B2B-Kundenportal. Ein Ersatzteilshop funktioniert anders als ein Hersteller mit komplexen Preislogiken oder individuellen Freigabeprozessen.

Deshalb beginnt eine gute E-Commerce-Architektur nicht mit der Wahl eines Shopsystems, sondern mit einer einfachen Frage:

Welche Aufgaben übernimmt welches System – und warum eigentlich?

Erst wenn diese Rollen klar definiert sind, lässt sich entscheiden, ob ein klassischer Shop sinnvoll ist, eine Headless-Architektur Vorteile bringt oder sich bestehende Systeme sogar konsolidieren lassen.

Unsere Empfehlung: Architektur neu denken

Bei Datenwerk entwickeln wir seit über 20 Jahren E-Commerce-Lösungen für Unternehmen unterschiedlichster Größen und Branchen. Wir kennen klassische Shop-Architekturen ebenso wie moderne Headless-Konzepte und integrierte ERP-Lösungen.

Unser Ziel ist dabei nicht, möglichst viele Systeme einzusetzen. Sondern genau die Architektur zu entwickeln, die langfristig wartbar, wirtschaftlich und zukunftssicher ist.

Denn manchmal lautet die beste Empfehlung nicht: „Wir brauchen noch ein weiteres System.“

Sondern ganz bewusst:

„Wir brauchen eines weniger.“